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Bei Make Me Smile werden Arbeitssuchende zu Arbeitgebenden

In Kenia ist die Jugendarbeitslosigkeit hoch. Ein eigenes Unternehmen zu gründen und erfolgreich zu führen, ist für viele junge Menschen oft die einzige Chance auf ein stabiles Einkommen. Deswegen fördert das Unité­ Mitglied Comundo gemeinsam mit seinen Partnerorganisationen gezielt unternehmeri­sche Kompetenzen und unterstützt junge Menschen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit.

Sara Ryser
Bei den Partnerorga­nisationen von Comundo in Kenia können Jugendliche eine Berufslehre absolvieren und wer­den bei der Gründung eines eigenen Unter­nehmens unterstützt. Foto: Comundo

Die Gesamtarbeitslosigkeit in Kenia liegt bei 12,7 %, ist unter den Jungen (15­- bis 34­-Jährige) mit 67 % aber deutlich höher.1 Besonders betroffen sind junge Frauen, denn fehlender Zugang zu Bildung, eingeschränkte Berufs­chancen und traditionelle Rollenerwartungen erschweren ihnen den Ein­stieg ins Erwerbsleben. Für viele ist die Selbstständigkeit die einzige Mög­lichkeit, ein stabiles Einkommen zu erzielen. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, haben die Schweizer NGO Comundo und ihre kenianischen Partnerorganisationen den CoVEx-­Ansatz entwickelt, mit dem die Berufs­bildung modernisiert und unternehmerisches Denken gefördert werden soll. Ziel ist, dass Jugendliche nicht nur auf Jobs warten, son­dern selbst welche schaffen können.

CoVEx-Zentren für arbeitsmarktnahe Ausbildung

CoVEx steht für Centres of Vocational Expertise; mit dem Programm soll die Berufsbildung modernisiert und stärker auf die tatsächlichen Anforderungen des Arbeitsmarkts ausgerichtet werden. CoVEx­-Zentren verstehen sich nicht nur als Ausbildungsstätten, sondern als Innovationszentren, in denen Bildung, Wirtschaft und Gemeinschaften eng zusammenarbeiten. Sie fördern praxisnahe, qualitativ hoch­wertige Ausbildungen, die moderne Lernformen mit prakti­scher Arbeitserfahrung verbinden. Neben fachlichen Kennt­nissen werden auch Kompetenzen wie Kommunikation, Problemlösefähigkeit und Anpassungsvermögen vermittelt, um Lernende optimal auf die dynamische Arbeitswelt vor­zubereiten.

Ein zentrales Element ist die enge Zusammenarbeit mit Arbeitgeber:in­nen, die in die Gestaltung der Lehrpläne eingebunden werden sollen, Prak­tikumsplätze bereitstellen und dafür sorgen, dass die Ausbildungen den aktuellen wirtschaftlichen Anforderungen entsprechen. Ein weiterer wich­tiger Aspekt ist die Förderung des unternehmerischen Denkens. «Viele Ler­nende hoffen am Ende ihrer Ausbildung auf eine Anstellung», sagt Yao Sodjadan. «Doch die Realität ist, dass nicht genügend Arbeitsplätze vorhan­den sind. Es ist unser Ziel, dass sie lernen, ihre Fähigkeiten selbst in wirt­schaftliche Aktivitäten umsetzen zu können.» Yao Sodjadan ist Berater für Kleinunternehmertum und Projektmanagement und unterstützt die Part­nerorganisationen von Comundo seit Mai 2025 dabei, unternehmerisches Denken systematisch in ihre Ausbildungsprogramme zu integrieren. Ge­meinsam mit den Partnern hat er ein umfassendes Entrepreneurship­-Pro­gramm entwickelt und begleitet derzeit die 10 Berufsbildungszentren, mit denen Comundo in Kenia zusammenarbeitet, bei dessen Einführung und Umsetzung.

Aus Arbeitssuchenden werden Arbeitgeberinnen

Eine der Partnerorganisationen, mit denen Yao Sodjadan in Kisumu zusam­menarbeitet, ist Make Me Smile Kenya. Im «Smiles Hub» werden jungen Frau­en handwerkliche und unternehmerische Fähigkeiten vermittelt – etwa in Textilproduktion, Modedesign oder Coiffeurhandwerk. Die Ausbildung wird ergänzt durch Kurse in Finanzkompetenz, Lebensplanung und Kon­fliktlösung. Der Ausbildungsplan ist auf die Bedürfnisse des Marktes abge­stimmt, was es den jungen Frauen erleichtert, anschliessend eine Anstel­lung zu finden oder ihr eigenes Unternehmen zu gründen. Starter­-Kits mit notwendigen Werkzeugen wie Nähmaschinen, Scheren und Materialien le­gen den Grundstein, dass die Absolventinnen ihre Fähigkeiten sofort in ein­kommensschaffende Aktivitäten transformieren können. Mit der Zeit er­reichen sie nicht nur finanzielle Stabilität, sondern tragen auch zur lokalen Wirtschaft bei, indem sie Arbeitsplätze schaffen und Lieferketten unter­stützen.

Mary A., eine Absolventin, berichtet stolz: «Vor dem Kurs war ich ab­hängig von meinen Eltern. Jetzt kann ich nicht nur meinen Haushalt und die Ausbildung meines Kindes finanzieren, ich zahle sogar das Schulgeld für meine Geschwister!» Eine andere Abgängerin eröffnete einen eigenen Friseursalon und beschäftigt mittlerweile zwei weitere Frauen. Einige Ab­solventinnen werden auch Mentorinnen für neue Programmteilnehmerin­nen von Make Me Smile Kenya.

Wandel in der Gemeinschaft

Solche Veränderungen gehen über die unmittelbaren wirtschaftlichen Ge­winne hinaus. Absolventinnen berichten von gesteigertem Selbstvertrau­en, besseren Entscheidungs­- und stärkeren Verhandlungsfähigkeiten, von denen sie sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich profitieren. Oftmals setzen sie sich in ihren Gemeinden für Bildungsmöglichkeiten ein und rütteln an traditionellen Barrieren, welche die Chancen junger Frauen einschränken können. Durch ihren Erfolg werden sie zu Vorbildern für andere junge Frauen und Mädchen und tragen zur schrittweisen Veränderung der Geschlech­terrollen bei.

Auch in den Gemeinschaften bleibt der Erfolg der Ab­solventinnen nicht unbemerkt. Eltern, die früher skeptisch waren, unterstützen nun die Ausbildung ihrer Töchter. «Früher dachte ich, dass Mädchen nur für die Ehe und die Hausarbeit bestimmt sind», sagt ein Dorfältester in Kolwa East. «Aber wenn ich sehe, was diese jungen Frauen erreicht haben, ermutige ich jetzt andere, ihren Töchtern eine Aus­bildung zu ermöglichen.»

Das Landesprogramm von Comundo in Kenia wird von der DEZA (EDA) unterstützt, im Rahmen des institutionellen Programms von Unité 2025-­2028.

1] Federation of Kenyan Employers: fke-kenya.org/policy-issues/youth-employment

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