Lokal verankert. Global vernetzt. Ein Manifest zur internationalen Zusammenarbeit
Um nachhaltig zu sein, müssen Programme und Projekte in der internationalen Zusammenarbeit in den Händen lokaler Akteure liegen, die die Bedürfnisse und verfügbaren Ressourcen am besten kennen.Um nachhaltig zu sein, müssen Programme und Projekte in der internationalen Zusammenarbeit in den Händen lokaler Akteure liegen, die die Bedürfnisse und verfügbaren Ressourcen am besten kennen. Dennoch gibt es weiterhin viele Stolpersteine. Über 40 Schweizer NGOs haben deshalb gemeinsam ein Manifest erarbeitet. Es ist ein Aufruf zu gemeinsamen Schritten auf dem Weg zu gleichberechtigten Partnerschaften.
Die Diskussion rund um die Dekolonisierung und Lokalisierung der internationalen Zusammenarbeit (IZA) wurde in den letzten Jahren oft mit einem verengten Blick auf die Finanzflüsse geführt: Die Lokalisierung der Zusammenarbeit sei dann erreicht, wenn mehr Mittel direkt an lokale Partner vergeben würden. Diese Perspektive blendet aber zentrale Machtfragen aus, die es auch in Partnerschaften gibt. Zum Beispiel, wer die Projekte und Programme definiert, wer in relevante Entscheidungsprozesse einbezogen und wessen Expertise gehört wird. Mehr Mittel direkt an lokale Akteur:innen zu vergeben, reicht nicht aus, wenn gleichzeitig die strategischen Prioritäten in der Schweiz bestimmt werden.
Lokale Selbstbestimmung sorgt nicht nur für mehr Wirkung, sondern stärkt auch die Widerstandsfähigkeit von Gemeinschaften, insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden globalen Herausforderungen. Bei der Umsetzung von Projekten und Programmen, die sich an den Bedürfnissen und Herausforderungen der lokalen Gemeinschaften ausrichten, zeigen sich jedoch zahlreiche Hürden. Rigide Vorgaben der Geldgeber können verhindern, dass die Unterstützung lokaler Partner flexibel und effizient gestaltet werden kann. Oder Fundraising- und Kommunikationsstrategien können den ethischen Grundsätzen einer Partnerschaft auf Augenhöhe widersprechen. Deshalb ist dieses Manifest sowohl ein Leitfaden für die Arbeitsweise der Schweizer NGOs als auch ein Aufruf an die Geldgeber, ihre Rahmenbedingungen so auszugestalten, dass eine lokal verankerte IZA möglich ist.
Gleichzeitig ist das Manifest auch eine Antwort auf das Erstarken autoritärer Kräfte, welche Menschenrechte gezielt untergraben, zivilgesellschaftliche Handlungsspielräume einschränken und den Multilateralismus in seinem Fundament schwächen. Umso bedeutender ist deshalb heute eine internationale Zusammenarbeit, die die Verletzlichsten dieser Welt ins Zentrum stellt. Dies kann aber nur erreicht werden, wenn sich lokale Akteur:innen, Schweizer NGOs, Regierungen, Geldgeber, Privatsektor und die Wissenschaft als Verbündete verstehen, die gemeinsam zur Verwirklichung der Menschenrechte beitragen.
Viele der unterzeichnenden Organisationen sind in ihren Lokalisierungsbestrebungen bereits weit vorangekommen. Dennoch bleibt für alle Handlungsbedarf. Denn jede Organisation steht vor eigenen Herausforderungen – und entwickelt entsprechend unterschiedliche Lösungsansätze. Jetzt gilt es, diese Erfahrungen zu bündeln und gemeinsam voranzugehen.
Unité widmete kürzlich eine Ausgabe seines Magazins Praxis dem Thema Lokalisierung.