Sicherheit entsteht durch Zusammenarbeit
Die Schweizer Bevölkerung fühlt sich im Alltag sicher − doch das Vertrauen bröckelt. Globale Krisen rücken näher, und immer mehr Menschen wünschen sich, dass die Schweiz international mehr Verantwortung übernimmt.
Fühlen Sie sich im Alltag sicher? Wenn Sie in der Schweiz wohnen, können Sie diese Frage höchstwahrscheinlich mit «Ja beantworten. Gemäss der im August 2025 erschienenen gfs-Studie «Wie geht’s, Schweiz?»1 teilen 9 von 10 Personen dieses Gefühl – ein erfreulicher Befund. Und dennoch: Das Sicherheitsempfinden hat Risse bekommen, die Wahrnehmung globaler Bedrohungen nimmt zu. Krieg in Europa, wachsende geopolitische Spannungen zwischen Grossmächten, US-Zölle, die die Weltwirtschaft destabilisieren, zunehmende Cyberangriffe oder Naturkatastrophen als Folgen des Klimawandels – die Welt ist instabiler geworden. Auch uns Schweizer:innen wird langsam klar, dass diese globale Instabilität uns alle betrifft: wirtschaftlich, sicherheitspolitisch und gesellschaftlich. Es erstaunt daher nicht, dass sich eine grosse Mehrheit mehr internationales Engagement unseres Landes wünscht. In derselben gfs-Studie befürworten 83%, dass die Schweiz ihre Neutralität wahrt und als Vermittlerin in Konflikten auftritt. 78% möchten, dass unser Land mit humanitärer Hilfe präsent bleibt, und 75% sehen die Schweiz als Brückenbauerin zwischen unterschiedlichen Kulturen. Nur eine Minderheit von 40% findet, wir sollten uns möglichst aus der Weltpolitik heraushalten.
Verantwortung übernehmen schafft Glaubwürdigkeit
Die Botschaft ist klar: Schweizer:innen fühlen sich sicherer, wenn unser Land Verantwortung übernimmt durch Friedensförderung, humanitäre Nothilfe und die Stärkung demokratischer Strukturen. Das entspricht auch unserer Tradition: Wir waren vertrauenswürdig, wenn wir uns solidarisch und vermittelnd gezeigt haben, nicht, wenn wir aufgerüstet haben. Doch genau diese Instrumente geraten zusehends unter Druck – in der Schweiz, in der ganzen Welt. Weltweit werden die Budgets für internationale Zusammenarbeit gekürzt. Laut OECD könnten die öffentlichen Entwicklungsausgaben 2025 um bis zu 17% einbrechen.2 Auch in der Schweiz rechnen zwei von drei in der Entwicklungszusammenarbeit tätige NGOs damit, dass ihre Mittel sinken.3
Rückschläge kosten Menschenleben
Die Folgen sind spürbar, insbesondere bei Ernährungssicherheit, Bildung und Gesundheit. Jede geschlossene Gemeinschaftsküche, jedes eingestellte Ernährungsprogramm bedeutet mehr Hunger. Bei der Gesundheit sparen, bedeutet, dass Kinder ungeimpft bleiben, sowie Rückschritte in der Bekämpfung von Krankheiten wie Malaria, Tuberkulose, HIV und Cholera. Wegfallende Investitionen in Schulinfrastruktur und Lehrer:innenausbildungen führen zu verschlechterten Lernbedingungen für Millionen von Kindern und eingestellte Berufsbildungsprojekte zu erhöhter Jugendarbeitslosigkeit. Diese Rückschläge kosten Menschenleben – die Zerschlagung von USAID hat bereits zum Tod von 600 000 Menschen geführt 4 – und werden langfristige Spuren hinterlassen. Nicht nur für die akut betroffenen Menschen im Globalen Süden, sondern für die ganze Welt. Sie bedeuten ein höheres Risiko für grenzüberschreitende Pandemien, Konflikte, Krisen und Migration. Entwicklungszusammenarbeit ist darum nicht nur eine moralische Geste, sondern vor allem auch eine strategische Investition: in Stabilität, Sicherheit und Glaubwürdigkeit. Wenn die Schweiz ihre Rolle als Vermittlerin und solidarische Partnerin ernst nimmt, schützt sie nicht nur andere – sondern auch sich selbst.
1] GFSStudie: Wie geht’s, Schweiz? (2025): gfsbern.ch/de/news/dritte-studie-zur-frage-wie-gehts-schweiz
2] Alliance Sud: Politik der starken Männer auf Kosten der Schwächsten (2025): alliancesud.ch/de/aufruestung-statt-entwicklung-politik-auf-kosten-der-schwaechsten
3] ZEWO Spendenstatistik 2024: zewo.ch/de/news-spendenstatistik-2024
4] Impact Counter: impactcounter.com/dashboard?view=table&sort=interval_minutes&order=asc