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Kompost statt importiertem Dünger für Guineas Böden

Guineas Böden sind ausgelaugt, synthetischer Dünger ist teuer und nur unregelmässig verfügbar. Gemeinsam mit der Partnerorganisation Coopération Agricole de Formation Professionnelle trägt Emanuel Wieland dazu bei, eine pragmatische Lösung zu entwickeln: Kompost aus lokalen Rohstoffen. Die ersten Versuche sind vielversprechend und sorgen bereits für grosse Nachfrage.

Sara Ryser
Die ersten Resultate auf den Feldern zeigen: Kompost könnte für viele Bäuerinnen und Bauern in Guinea zu einer nachhaltigen Düngeralternative werden. Foto: Emanuel Wieland

Foto: Emanuel Wieland

Guinea gilt als Wasserschloss Westafrikas; es ist ein Land mit enormem landwirtschaftlichem Potenzial, das trotzdem Lebensmittel importieren muss. Ein Grund für die niedrigen Erträge ist, dass die Landwirtschaft in Guinea wenig mechanisiert ist, das meiste wird von Hand oder mit einfachen Werkzeugen erledigt. Noch schwerer wiegt, dass die Böden ausgelaugt sind und Dünger nur sporadisch verfügbar ist. «Mal gibt es welchen und dann wieder nicht», erzählt Emanuel Wieland. «Ab und zu macht Saudi-Arabien oder Marokko eine Gabe, aber in der momentanen weltpolitischen Lage ist es noch schwieriger geworden, zum richtigen Zeitpunkt an Dünger zu kommen.» Emanuel Wieland ist Bauer, Landmaschinenmechaniker und seit neun Jahren im Einsatz mit Unité-Mitglied SAM global in Kissidougou, Guinea. Er unterstützt die Partnerorganisation Coopération Agricole de Formation Professionnelle (CAFD) in der Ausbildung von Auto- und Landmaschinenmechaniker.

Die zündende Idee: Kompost

Die guineischen Bäuerinnen und Bauern haben längst erkannt, dass ihre Bodenqualität unzureichend ist, um die Ernährungssicherheit ihrer Familien und Gemeinschaften zu garantieren. Doch was tun, wenn Länder wie Saudi-Arabien und die angespannten globalen Märkte bestimmen, ob im eigenen Land gerade Dünger verfügbar ist oder nicht? Für den Schweizer Bauer war schnell klar: Kompost muss her! Obwohl Kompostieren in Guinea keine gängige Praxis ist, begann Wieland, in seiner Werkstatt an der Herstellung von Kompost herumzutüfteln. Die dazu notwendigen Rohstoffe sind alle lokal verfügbar: Hühnermist, Sägemehl, Überreste von Reisspreu, Grünmaterial. Wieland erhoffte sich, dass seine Lehrlinge und Bäuer:innen aus der Region auf den Zug aufspringen und beginnen würden, ihren eigenen Kompost herzustellen. Doch was der Bauer nicht kennt, tut er nicht.

Kommt hinzu: Kompost herstellen ist harte Arbeit, erst recht, wenn es 50 bis 60 Kubikmeter sein sollen. Damit der Gärungsprozess funktioniert, muss das Material regelmässig gewendet werden; die Haufen erhitzen sich auf bis zu 60 Grad. In seiner Ausbildungswerkstatt entwickelte Wieland gemeinsam mit seinen Lehrlingen eine Kompostwendemaschine – zusammengeschweisst aus lokal vorhandenen Teilen. Genau dieses praxisnahe Schweizer Know-how macht seine Arbeit bei CAFD aus: Ideen werden nicht einfach importiert, sondern an die lokalen Möglichkeiten angepasst.

Plötzlich ist die Nachfrage grösser als das Angebot

Einen entscheidenden Schub erhielt das Projekt durch den Kurzzeit-Einsatz von Pascal Aeschimann, einem Schweizer ETH-Studenten mit Fokus Agrarwissenschaft und Bodenfruchtbarkeit. Zwischen Oktober 2025 und Februar 2026 arbeitete er gemeinsam mit Wieland und CAFD am Aufbau der Kompostproduktion. Während Wieland vor allem die seine Erfahrung aus Landwirtschaft und Mechanik einbrachte, ergänzte Aeschimann das Projekt mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Bodenfruchtbarkeit und Kompostzusammensetzung.

Zusammen testeten sie unterschiedliche Mischungen aus Hühnermist, Sägemehl und Pflanzenmaterial und optimierten die Produktion. Anstatt den Bauern und Bäuerinnen direkt das Kompostieren beizubringen, stellten sie 150 Säcke Kompost her und hofften, dass die Landwirt:innen diesen kaufen würden. Mit Erfolg: Der Kompost war ruckzuck ausverkauft, die Nachfrage viel grösser als das Angebot. «Wir hätten noch mehr verkaufen können», erzählt Wieland, «entscheidend ist offenbar, das fertige Produkt zu liefern». Sogar die Landwirtschaftsdirektorin der Präfektur Kissidougou kam, um sich das Projekt anzusehen.

Praxistest: Bestanden!

Auch die ersten Resultate auf den Feldern machen Hoffnung. «Wir haben gesehen, dass die Pflanzen besser ernährt sind und höhere Erträge bringen», sagt Wieland. Jean-Pierre Mansare, ein Landwirt der Region, hat dies ebenfalls festgestellt: «Der Kompost hat unsere ausgelaugten Böden deutlich verbessert. Ich sehe darin ein grosses Potenzial für die ganze Region.» Auch Sekou Abel Kamano, angehende Landmaschinenmechaniker und Gemüsebauer, sieht grosses Potenzial: «Chemischer Dünger ist schwierig zu bekommen. Kompost dagegen können wir hier selbst produzieren. Das hilft unseren Kulturen und schützt langfristig unsere Böden.» Besonders beeindruckt habe ihn, dass der Kompost aus Materialien hergestellt wird, die lokal verfügbar sind.

Genau darin liegt das Potenzial des Projekts. Aus einer Idee eines Schweizer Bauern und Landmaschinenmechanikers entstand gemeinsam mit der guineischen Partnerorganisation CAFD eine lokal angepasste Lösung für eines der grössten Probleme der Region. Die ersten Resultate zeigen: Kompost könnte für viele Bäuerinnen und Bauern in Guinea zu einer nachhaltigen Alternative werden. Die nötigen Rohstoffe sind lokal verfügbar, der Ansatz stösst auf Begeisterung und lässt sich weiterverbreiten.

Damit die Idee skaliert werden kann und sich kompostieren als Alternative zum importierten Dünger etabliert, bleibt noch einiges zu tun. Zudem braucht es Zeit: Die Menschen müssen sehen, dass die Methode funktioniert und die Erträge tatsächlich steigen. «Und wer weiss, vielleicht stellen die Landwirt:innen bald ja doch ihren Kompost selbst her», hofft Emanuel Wieland.

Das Landesprogramm von SAM global in Guinea wird von der DEZA (EDA) unterstützt, im Rahmen des institutionellen Programms von Unité 2025-2028.

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